Gedanken zur Fotografie

Malen mit Licht


Der Begriff "Fotografie" unterliegt seit dem 19. Jahrhundert, der Entstehung der Fotografie und ihrer Entwicklung zum Massenphänomen, wie kaum ein anderer Begriff eines Werkzeugs einer gravierenden Bedeutungsverschiebung. Die extrem einfache, weil vollautomatische, keinerlei Fachkenntnisse voraussetzende Möglichkeit der Bedienung fotografischer Apparate vom Smartphone bis zur komplexen Spiegelreflexkamera korrespondiert mit der Entwicklung vielfältiger Präsentationsplattformen im Internet von sozialen Netzwerken bis künstlerisch orientieren Fotografie-Foren und Communities. Es dominiert das schnelle Bild in meist eindeutigen Verwendungszusammenhängen. Meine Fotografien versuchen sich davon zu lösen, es dominiert die Langsamkeit, das schnelle Bild entzieht sich meinem Interesse. Fasst man Fotografie als „Malen mit Licht“ auf, impliziert dieser Akt Langsamkeit und die Verweigerung des fotografischen Mainstreams.


„Je mehr ich sehe, desto weniger weiß ich sicher.“

John Lennon



Kein anderes Medium ist derart konsequent dem Moment verpflichtet wie die Fotografie. In Bruchteilen einer Sekunde entstehen die allermeisten Fotografien. Jedoch enthält jedes Foto einen weiteren Moment: das Abgebildete als Teil eines organischen Prozesses zeigt sich in dem gleichen kurzen Zeitintervall. Zeigt es sich wirklich oder wird es fixiert von dem Apparat?



Dunkelheit und Stille – Auf der Suche nach dem leeren Raum



"Die Kamera wird zum Werkzeug die eigene Seele zu schützen.

Dieses Phänomen ist seltsam, eine Art Therapie, ein Umweg."

Walter Schels


Licht


Das natürliche und das künstliche Licht. Das künstliche Licht ist das prometheische, unsere Faszination des Lichts.


Die Bewegung des Lichts


Tag und Nacht, die Jahreszeiten sind Bewegungen des natürlichen Lichts. Natürliches Licht hat lebensspendende und heilenden Kraft, das Licht der Welt, das Licht der Erkenntnis.

Das Licht folgt Bewegungsmustern.


Abbildungsverhältnisse


Fotografie bildet Wirklichkeit ab. Inwieweit lässt sich die fotografierte Wirklichkeit abbilden?

We travel against the time!



"A strong sense of composition, form, and geometry also carry an emotional impact!"

Tony Catany


“Overhead the albatross hangs motionless upon the air And deep beneath the rolling waves in labyrinths of coral caves The echo of a distant tide ...”

Pink Floyd, Echoes


Gibt es ein visuelles Echo? Wie wird unser Sehen reflektiert? Kann man den visuellen Widerhall an unseren Horizonten sichtbar machen?

Im Mythos misstraut der selbstverliebte Jüngling Narziss der erkennenden Kraft der Wiederholung und lässt das Echo in Gestalt einer Nymphe elend sterben. Doch am Ende verwandelt sie sich in ein verführerisches Bild und erlangt so Ewigkeit. Der Spiegel ist das Medium des visuellen Echos, Wände sind uns Projektions- und Illusionsräume - Echos.



Gedanken zur Flüchtigkeit der Bilder


Das fotografische Bild unterscheidet sich von dem gemalten Bild auch dadurch, dass die Herstellung der Fotografie den Bruchteil einer Sekunde dauert. Die Kondensation von Zeit im fotografischen Bild korrespondiert mehr und mehr mit der Form der Betrachtung in den sozialen Netzwerken. Der schnelle Klick und der schnelle Blick verschmelzen zu einer Geste. Ebenso verhält es sich bei der Jurierung von Fotos in diversen Wettbewerben. Der entscheidende Blick bei der Auswahl des besten Bildes vollzieht sich annähernd in der gleichen Geschwindigkeit wie der Schuss des Fotografen.


Was passiert mit der Bedeutung der Bilder bzw. mit der Bildaussage, wenn die technischen Bedingungen der Übertragung und der Produktion der Bilder entlarvt werden?

Über Bildgestaltung


Was ist Bildgestaltung in der Fotografie?

Objekte in der Wirklichkeit erfahren durch den Bildausschnitt des Suchers bzw. Monitors eine perspektivisch neu organisierte Form, die zwischen einer unverkennbaren Nähe und einer extremen Verfremdung gegenüber den Gegebenheiten nachkonstruierender Blicke erscheint. Bei diesem Bilder erschaffenden Produktionsprozess werden den vorgefundenen Gegebenheiten Gesetze zugefügt, ästhetische Kompositionsregeln, die nach verschiedenen Mustern Harmonien inszenieren. Die Wirklichkeit gilt als Grundlage, als Material oder Baukasten für eine fotografische Neukonstruktion.

Das Ziel der fotografischen Prozedur ist die Präsentation einer fotografischen Hypothese, eines Standpunktes mit den Mitteln der Fotografie.


Wo ist das Geheimnis?


Hinter dem Sinn! Standpunkt der Unsicherheit!


Was ich im Sucher sehe, und später auf oder in dem Bild, ist Schönheit. Fotografie ist ein Weg die Schönheit zu sehen hinter dem Angsterzeugenden, dem Unnahbaren, dem Verbotenen, dem Abgründigen. Das gilt sowohl für den Blick in die Höhen und Tiefen der Architektur und Landschaft als auch für das Porträtieren. Eine Unerträglichkeit, eine Unmöglichkeit des Blickkontakts überwindet der Blick durch den Sucher.





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